Geschichte

Die Bank in der Gründungsphase (1923-1933)

 
Nach dem Ersten Weltkrieg litt Deutschland unter großer Unsicherheit, geprägt von einer schweren Wirtschaftskrise. Die Inflation erreichte ungeahnte Dimensionen und der Wohnungsbau kam durch die aufgezehrten privaten Vermögen weitgehend zum Erliegen, was zu einem katastrophalen Wohnungsnotstand führte.
 

Genau in diese Zeit fiel die Gründung der Deutschen Wohnstätten-Bank AG durch die preußische Wohnungsfürsorgegesellschaften, die Preußische Landespfandbriefanstalt sowie einer Reihe außerpreußischer Gesellschaften in Berlin. Die Wohnungsfürsorgegesellschaften sollten Wohnungen für Heimkehrer und Kriegsflüchtlinge schaffen, um die vorherrschende Wohnungsnot zu bekämpfen.
 

So erfolgte am 20. Oktober 1923 der Handelsregistereintrag der Deutschen Bau- und Wohnstätten-Bank AG, die drei Jahre später zur Deutschen Bau- und Bodenbank AG (kurz: Bau- und Bodenbank) umbenannt wurde.
 

In den Jahren nach der Gründung ist die erfolgreiche Entwicklung der Bank auf zwei Leitgedanken zurückzuführen: Zum einen wurden dem Institut vom Deutschen Reich Treuhandaufgaben bei der Finanzierung des Wohnungsbaus übertragen. Zum anderen übernahm die Bank die Vor- und Zwischenfinanzierung im Wohnungsbau, welche ein Bauvorhaben so lange finanzieren, bis die langfristigen Finanzierungsmittel zum Einsatz kommen.
 

Die Deutsche Bau- und Bodenbank AG in den Jahren 1933-1945

 
Das Zwischenkreditgeschäft blieb zunächst auch im nationalsozialistischen Regime im Zentrum des Handels, da der Fehlbestand an Wohnraum in Deutschland unverändert hoch war. Mit der Zeit bestimmte jedoch immer mehr die boomende Rüstungswirtschaft die Ziele des Wohnungsbaus, weil neue Rüstungszentren Unterbringungsmöglichkeiten für die zahlreichen Arbeitnehmer erforderten.
 

Die Bau- und Bodenbank AG diente auf dem Gebiet der Siedlungspolitik als Instrument nationalsozialistischer Politik, ohne sich jedoch selbst politisch zu exponieren. Nach Sichtung der heute zugänglichen Quellen ist die Bau- und Bodenbank nicht direkt in die nationalsozialistischen Verbrechen des Holocaust involviert gewesen.
 

Trotz der politisch opportunen Geschäftstätigkeit der Bank geriet sie während dieser Zeit in eine existenzielle Krise. Der Staat zog sich zugunsten der Kriegsgüterproduktion aus dem Wohnungsbau zurück und verhängte sogar einen Baustopp für Zivilbauten.
 

Wiederaufbau im Nachkriegsdeutschland

 
Neben einem ganzen Kontinent litt auch die Bau- und Bodenbank an den Folgen, die der zerstörerische Krieg verursachte. Viele Mitarbeiter galten als vermisst und mehrere Filialen waren beschädigt oder ganz zerstört.
 

Während die Zweigniederlassungen in der sowjetisch besetzten Ostzone geschlossen wurden, konnten die sieben Filialen in den amerikanisch-britisch besetzten Westzonen ihre Betriebstätigkeit schnell wieder aufnehmen. Jedoch waren sie von der Zentrale in Berlin und der Einflussnahme durch den Vorstand und Aufsichtsrat abgeschnitten.

Erst mit der Währungsreform von 1948 konnte die Bank die Folgen des Zusammenbruchs überwinden. Die Verlagerungsverordnung ermöglichte es der Bau- und Bodenbank, sich neben ihrem Berliner Sitz parallel in Frankfurt am Main und damit im neuen Währungsgebiet anzusiedeln und die in der Bundesrepublik gelegenen Niederlassungen wieder rechtlich und wirtschaftlich zusammenzufassen. Ende 1949 wurde die Geschäftstätigkeit wieder voll aufgenommen.
 

Die Bank in Zeiten des Wirtschaftswunders

 
Die Bau- und Bodenbank profitierte von den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs, insbesondere bei der Zwischenfinanzierung von Bausparverträgen, die sie zunächst als einzige Bank im Markt anbot. In den Jahren 1950 bis 1967 beliefen sich die Kreditzusagen der Bau- und Bodenbank auf insgesamt 7,6 Mrd. DM.
 

Um das umfangreiche Treuhandgeschäft kostengünstiger und effizienter abwickeln zu können, nahm die Bau- und Bodenbank 1957 in Mainz ein neues Rechenzentrum in Betrieb. Die Bau- und Bodenbank verfügte dadurch über das erste elektronische Informationssystem, das den Unternehmen der Wohnungswirtschaft die zentrale Datenverarbeitung außer Haus ermöglichte. Dies galt zu diesem Zeitpunkt als revolutionäre Idee und eröffnete dem Institut eine neue Geschäftssparte.
 

Vom Spezialisten der Zwischenfinanzierung zum Allround-Institut für die Bau- und Wohnungswirtschaft

 
Zu Jahresbeginn 1979 übertrug die Bundesrepublik Deutschland ihre gesamte Beteiligung am Grundkapital der Deutschen Bau- und Bodenbank AG an die Deutsche Pfandbriefanstalt (DePfa). Diese hatte bereits die Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen am Institut erworben.
 

Als Teil der Deutschen Pfandbriefanstalt wandelte die Bau- und Bodenbank in den 1980er-Jahren ihre Struktur grundlegend. Während in den 70er-Jahren noch 90% des Geschäfts auf Bauphasenkredite mit Bauträgern und Wohnungsunternehmern zurückzuführen war, sank dieser Anteil im Jahr 1988 auf nur noch einen Viertel der gesamten Forderungen. Dagegen wurde das sogenannte Klein- und Privatkundengeschäft intensiviert.
 

Mit der Öffnung der Grenzen im Zuge des Mauerfalls 1989 ergaben sich für die Bau- und Bodenbank naturgemäß neue Betätigungsfelder und Geschäftschancen. So schloss die Bank schon früh Verträge mit kommunalen Wohnungsunternehmen und vergab große Kreditbeträge an Kunden in den neuen Bundesländern.
 

1989 wurde die DePfa zunächst in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1991 fand mit dem Börsengang eine breite Platzierung der Aktien statt. Mit einer Bilanzsumme von 64 Mrd. DM war die – nunmehr in Deutsche Pfandbrief- und Hypothekenbank AG umbenannte – Bank die damals größte deutsche Hypothekenbank.
 

Entwicklungen in den 1990er-Jahren

 
Um als Hausbank für die Wohnungswirtschaft in ganz Deutschland Service-Dienstleistungen rund um die Immobilie anbieten zu können, wurden Ende der 1980er- und in den 1990er-Jahren eine Reihe von Tochtergesellschaften gegründet oder erworben.
 

Diese Beteiligungsunternehmen stärkten strategisch sowohl den EDV-Bereich als auch das Immobilienmanagement der beiden Institute. Der Bankbereich IT-Services wurde 1997 als eigenständige Tochtergesellschaft BauBoden Systemhaus GmbH ausgegliedert. Zwei Jahre später entstand daraus ein Konzern mit einer Holding-Struktur, der international zu expandieren begann – die heutige Aareon AG.
 

Im März 1991 bot die Deutsche Pfandbrief- und Hypothekenbank AG erstmalig ihre Aktien an verschiedenen deutschen Wertpapierbörsen zum Handel an und der Bund trennte sich von seinem Anteil. Um sich neben der privaten Immobilienfinanzierung strategisch breiter aufzustellen, baute die Bankengruppe Anfang der 90er-Jahre die neue Geschäftssparte „Gewerbliche Finanzierungen“ weiter aus.
 

Mit der schwungvollen internationalen Expansion ging im weiteren Verlauf eine grundlegend neue Struktur der Unternehmensgruppe einher. 1999 übertrug die DePfa Deutsche Pfandbriefbank AG sämtliche Immobilienaktivitäten operativ auf die seit 1979 im Konzern integrierte Deutsche Bau- und Bodenbank AG.
 

Mit den Geschäftsbereichen Immobilienfinanzierung – mit zunehmendem Fokus auf Gewerbeimmobilien – sowie Service-Dienstleistungen rund um die Immobilie waren die beiden Kernkompetenzen der Bank umschrieben.
 

Die Entstehung der Aareal Bank Gruppe

 
Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Aktionäre am 15.10.2001 für die strategische Neuausrichtung der DePfa Gruppe, die vorsah, zwei unabhängige Unternehmen mit jeweils unterschiedlichen Geschäftsmodellen zu bilden. Am Ende dieses mehrstufigen Teilungsprozesses standen einerseits die DePfa Bank AG BauBoden mit Sitz in Wiesbaden als Immobilienspezialist, die in der Folge in Aareal Bank AG umfirmierte sowie andererseits die DEPFA BANK plc mit Sitz in Dublin als Staatsfinanzierungsbank und u.a. der deutschen Tochter DePfa Deutsche Pfandbriefbank AG.
 

Die Aareal Bank bot zunächst Finanz-, Asset-Management-, Beratungs- und IT-Dienstleistungen für national und international tätige Investoren im gewerblichen Immobiliengeschäft sowie Kunden aus der institutionellen Wohnungswirtschaft an.
 

Mit dieser Marktstrategie war die Aareal Bank zwar breit aufgestellt, doch machten sich die Risiken aus den umfangreichen Finanzierungen im Wohnungsbau, die während den 1990er-Jahren in den neuen Bundesländern getätigt wurden, bemerkbar und belasteten spürbar die Bankbilanz in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld zwischen 2002 und 2005.
 

Neue strategische Ausrichtung sichert Geschäftserfolg auch in der Krise

 
Um die Position als führender Immobilienspezialist wieder zu stärken und langfristig zu sichern, leitete der seit 2005 amtierende Vorstandsvorsitzende Dr. Wolf Schumacher eine Neuausrichtung des Instituts ein. Das Neugeschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung wurde deutlich gesteigert und die notleidenden Kredite maßgeblich abgebaut sowie die Organisation vereinfacht.
 

Vor allem aber fokussierte die Aareal Bank Gruppe ihr Geschäftsmodell und konzentrierte sich fortan als mittelständisch geprägtes Haus auf die beiden Segmente „Strukturierte Immobilienfinanzierungen“ und „Consulting/Dienstleistungen“. Dabei baute die Aareal Bank eine umfassende Expertise in den Branchen Hotel-, Shoppingcenter-, Logistik- sowie Büro-Immobilien auf und erweiterte das Geschäft auf den drei Kontinenten Europa, Nordamerika und Asien. Dadurch wurde eine erhöhte Diversifizierung des Kreditportfolios nach Regionen und Objektarten erzielt und die Abhängigkeit von regionalen Entwicklungen und Immobilienzyklen verringert. Das Segment „Consulting/Dienstleistungen“ wurde als starkes zweites Standbein ausgebaut. Hier ist die Aareal Bank seit mehr als 50 Jahren die Hausbank der institutionellen Wohnungswirtschaft in Deutschland. Durch die angebotenen Dienstleistungen – wie etwa Zahlungsverkehrslösungen – kann die Aareal Bank stabile Einlagen generieren, ohne dafür ein teures Filialnetz vorhalten zu müssen. Diese Einlagen bilden für das Kreditinstitut eine stabile Refinanzierungsquelle.
 

Dieses Geschäftsmodell erwies sich auch im Laufe der Finanzkrise, welche die weltweiten Finanzmärkte ab 2008 erschütterte, als äußerst robust. Auch für die Zukunft ist die Aareal Bank durch ihre strategische Ausrichtung und einer starken Kapital- und Refinanzierungssituation sehr solide aufgestellt, um auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld weiterhin erfolgreich agieren zu können.