Interview mit Vorstandsmitglied Thomas Ortmanns in Wohnungswirtschaft Heute

„Die Digitalisierung kann eine große Chance für die Wohnungswirtschaft sein“

Herr Ortmanns, wie schätzen Sie die volkswirtschaftlichen Umfeldbedingungen aktuell ein?

Das volkswirtschaftliche Umfeld ist momentan durch anhaltende Volatilitäten geprägt, und zwar sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht. Offenbar dauerhaft sind das historisch niedrige Zinsniveau sowie regulatorische Veränderungen stetige Begleiter unserer Arbeit.

Ist ein Ende der Niedrigzinsphase absehbar?

Die Zinswende ist zumindest in den USA eingeleitet. Es bleibt aber abzuwarten, welche Anpassungsmechanismen sich in anderen Währungsräumen abspielen werden, insbesondere in der Eurozone. Vorerst wird sich an den historisch niedrigen Zinsen in Europa wohl nicht so viel ändern. Es bleibt damit auch bei den hohen Belastungen, die gerade für uns Banken, aber auch für Sicherungs- und Vorsorgesysteme im Allgemeinen, daraus resultieren.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung aus Ihrer Sicht auf die Wohnungswirtschaft?

Die Digitalisierung und die technologische Entwicklung im Grundsätzlichen sind allumfassend und allgegenwärtig. Entsprechend groß ist ihr Einfluss auf Ökonomie und Gesellschaft, und damit natürlich auch auf die Wohnungswirtschaft. Sie schafft neue Kundenbedürfnisse genauso wie Geschäftsmodelle, bricht Wertschöpfungsketten auf und revolutioniert unser Kommunikationsverhalten.

Ist die Digitalisierung Chance oder eher Risiko für die Wohnungswirtschaft?

Ich bin der festen Überzeugung, dass der fundamentale Wandel durch die Digitalisierung eine große Chance für die Wohnungswirtschaft sein kann, zusätzliche Mehrwerte zu schaffen und dabei neue Ertragspotenziale zu erzielen.

Welche Kernthemen stehen in diesem Kontext bei der Aareal Bank im Mittelpunkt?

Es sind letztlich drei große Kernfragen, die wir als Dienstleister für die Wohnungswirtschaft beantworten müssen. Erstens: Welche konkreten Lösungsansätze, Produkte und Dienstleistungen brauchen wir für die Zukunft? Was erwarten unsere Kunden von uns? Zweitens: Wie strukturieren wir innovative Ideen, damit diese einen nachhaltigen Mehrwert für unsere Kunden schaffen? Und drittens: Wie stellen wir uns als Aareal Bank Gruppe mit Blick auf die fundamentalen Veränderungen nachhaltig zukunftsfähig auf?

An welchen Stellen sind neue Lösungsansätze besonders wichtig?

Zusätzliche Mehrwerte lassen sich zum einen durch die Optimierung und Effizienzsteigerung der Geschäftsprozesse erzielen. Effiziente Lösungen sind insbesondere an den Schnittstellen zwischen den Branchen wichtig, die eng mit der Wohnungswirtschaft verzahnt sind, wie etwa die Energiewirtschaft. Ineffiziente Geschäftsprozesse sind gerade hier sehr kostspielig. Zum anderen sind auch in der Kommunikation mit Geschäftspartnern und Mietern neue Denkansätze notwendig, da sich hier die Erwartungen und das Kommunikationsverhalten grundsätzlich ändern.

Mit welchen Methoden strukturiert die Aareal Bank ihre Ideen im Kontext der Digitalisierung?

Um neue und innovative Ideen zu finden, bedarf es auch unkonventioneller Wege. Das so genannte „Design Thinking“ ist dafür eine hilfreiche Methode, um in einem strukturierten Prozess neue digitale und vor allem nutzerorientierte Lösungen zu entwickeln. Innerhalb der Aareal Bank Gruppe erarbeiten wir beispielsweise in einem DesignLab mit einem agilen Ansatz ganz konkrete Lösungen – und das gemeinsam mit unseren Kunden. So entwickeln wir unsere bestehende Produkte systematisch weiter und bauen sie zu technologische zukunftsweisenden Lösungen aus.

Sie sprachen auch die eigene Neuaufstellung der Aareal Bank an. Worum geht es dabei genau?

Wir haben Anfang 2016 unser Zukunftsprogramm „Aareal 2020“ gestartet, mit welchem wir unter anderem die zahlreichen Chancen, Herausforderungen und Lösungsansätze, die sich aus der Digitalisierung ergeben, in einem ganzheitlichen Konzept bündeln. Mit diesem Programm bauen wir schlanke, effiziente Strukturen und Prozesse auf, die es uns erlauben, mit den wachsenden und sich rasant verändernden Anforderungen nicht nur Schritt zu halten, sondern die Veränderungen mitzugestalten. Dabei entwickeln wir unser bestehendes Leistungsportfolio systematisch weiter und erschließen neue Geschäftsmöglichkeiten mit konsequentem Kundenfokus. So schaffen wir nachhaltige Werte, auch für unsere Kunden aus der Wohnungswirtschaft. 

Herr Ortmanns, wir danken Ihnen für das Gespräch.